Manche Schiffe haben eine politische Vergangenheit. Im Heft Nr. 171 wurde die wechselvolle Geschichte des niederländischen Kreuzers „De Ruyter“ geschildert. Auch in diesem Heft ist von einem „politischen“ Schiff die Rede. Kein Schiff hat wohl unter den Seemächten so viel politisches Aufsehen verursacht wie zur Zeit der Weimarer Republik die deutschen Panzerschiffe der „Deutschland“-Klasse.
Es war das demütigende Friedensdiktat von Versailles, das in Deutschland den Bau dieser „Taschenschlachtschiffe“, wie sie halb verspottend, halb anerkennend im Ausland bezeichnet wurden, notwendig machte. Sie durften eben nicht größer als 10.000 ts werden. Der Bau der Panzerschiffe war aber auch Zielscheibe der republikfeindlichen radikalen Linken in den 20er Jahren. Die Sozialdemokratie ließ sich – trotz besseren Wissens – von dieser Propaganda teilweise anstecken und führte 1928 einen Reichstagswahlkampf gegen den Bau dieser Schiffe. Doch stimmte dann die Reichsregierung (unter Führung der SPD) dem Bau dieser dringend benötigten Schiffe unter dem Gespött der Kommunisten doch zu. Der Bau der Panzerschiffe machte international deutlich, dass Deutschland gar nicht daran dachte, sich von den Weltmeeren verdrängen zu lassen und nur eine Küstenmarine zu unterhalten. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges operierte „Deutschland“ im Nordatlantik mit mäßigem Erfolg. Allerdings wollte die Seekriegsleitung in erster Linie die Royal Navy auf den Weltmeeren „beschäftigen“, ohne die eigenen Schiffe zu gefährden. Dies gelang der „Deutschland“ auch.
Ihre Geschichte endete am 15. November 1939 mit der Umbenennung zum Schweren Kreuzer „Lützow“. Im folgenden SMS Heft wird dann diese Geschichte erzählt.