Coronel beendete 1914 eine jahrhundertelange Epoche in der keine Macht in einem Seegefecht die Royal Navy bezwingen konnte. Die letzte Seeschlacht von Bedeutung war 1805 die legendäre Schlacht von Trafalgar gegen die Franzosen gewesen. Diese stolze Tradition wurde durch ein Gefecht zwischen eigentlich damals bereits veralteten Panzerkreuzern beendet.
Vor der chilenischen Küste entstand so eine erfolgreiche deutsche Marinetradition, von der die Seestreitkräfte noch lange zehren konnten. Coronel war, anders als die Seeschlacht vor dem Skagerrak, ein deutscher Sieg ohne Diskussionen, während letztere doch unter dem Vorbehalt der ausschließlichen taktischen Bedeutung und dem Umstand stand, dass die deutsche Hochseeflotte das Gefechtsfeld nicht behaupten konnte.
Trotzdem muss man Coronel auch kritisch vor dem Hintergrund sehen, dass das Kreuzergeschwader im Fernen Osten die Aufgabe hatte, möglichst lange möglichst viele gegnerische Seestreitkräfte zu binden. Dazu sollte Handelskrieg geführt werden. Gegen diese beiden Aufgaben verstieß Admiral Graf Spee, als er die Schlacht suchte. Deutschland hatte keinerlei Erfahrung in der Führung eines erfolgreichen Handelskrieges. Der Ehrbegriff des Soldaten verlangte zudem einen Kampf gegen Gegner zu führen und nicht wehrlose Handelsschiffe zu Prisen zu erklären. Der Gedanke, dass es wichtiger sein könnte, die Schiffe zu erhalten – eine Art „Fleet in being“ zu bilden, die möglichst lange feindliche Kräfte binden würde – wurde zwar erwogen, aber eben nicht konsequent zu Ende gedacht.
Als Admiral Graf Spee sich vor den Falkland-Inseln auf ein zweites Abenteuer mit den Briten einließ, wurden alle seine Schiffe bis auf den Kleinen Kreuzer S.M.S. „Dresden“ vernichtet. Erst im Zweiten Weltkrieg verhielten sich die Kommandanten von Kriegsschiffen und Hilfskreuzern anders und hielten recht erfolgreich die Royal Navy in Atem. Nur das Panzerschiff „Graf Spee“ ging vor der argentinischen Küste einem gegnerischen Kreuzerverband nicht konsequent genug aus dem Wege und teilte letztlich das Schicksal des Kreuzergeschwaders aus dem Jahre 1914.
Kriegsentscheidend war der Kreuzerkrieg nicht, er hätte jedoch helfend bei einer angestrebten Entscheidungsfindung sein können. Dafür standen die Aussichten 1914 weit besser als 1939, denn die Kriegsmarine ging völlig unvorbereitet in diesen Krieg. Wäre es 1915 oder vielleicht auch noch teilweise 1916 möglich gewesen, drei britische Schlachtkreuzer im Fernen Osten festzuhalten, hätte dies der Deutschen Hochseeflotte günstigere Perspektiven eröffnen können.
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